von Karl Haberkorn
Wo unser Wasser herkam und herkommt
Wo unser Wasser herkam und herkommt
Anfänge der Wasserversorgung: Brunnen, Dorfteich und "Widder"
Wasserleitungsgenossenschaft Königshütte, Neuhof, Steinmühle
Wassernot und Wasserzweckverband Pfaffenreuther Gruppe
Wasserversorgung heute
Wo unser Wasser herkam und herkommt
Die Wasserversorgung in Pleußen entwickelte sich in vielen Schritten.
Im seit Jahrhunderten bestehenden Dorf versorgte sich die Bevölkerung aus Brunnen auf ihren Grundstücken oder aus dem Dorfbrunnen. Dieser stand an der Auffahrt zum Anwesen Gmeiner - jetzt Krieger. Daneben stand früher das alte „Spritzenhaus“ der Feuerwehr. Der Überlauf des Dorfbrunnen floss in den darunter liegenden Dorfteich und von da in einen kleinen Teich beim Wirtshaus. Einige westlich im Dorf liegende Anwesen erhielten seit den 1850er Jahren über einen „Widder“ Wasser aus den Ellenwiesen westlich vom Dorf (Aussage Ludwig Männer). Ein „Widder“ ist ein mechanisches Gerät, das 2/3 des ankommenden Wassers zum Druckaufbau braucht um 1/3 auf die gewünschte Höhe zu heben. Nach Aussage von Ludwig Männer gab es in Pleußen zwei weitere Brunnen. Einen oberhalb des Wohnhauses Messering, der Anfang der 50er Jahre bei einer Reparatur eingefallen ist. Der andere an der Einfahrt zum Steinbruch, der über eine Pumpe die Wohnbaracke nördlich des Steinbruchs und auch die südlich liegenden drei "Schulzhäuser" (jetzt Bergmann) versorgte.
Im Weiler Gulg war auf dem Anwesen des Gulgbauern ein Brunnen, der auch das Anwesen Schimladl und die Gulgmühle mit Wasser versorgte. Diese drei Anwesen wurden später ebenfalls durch einen Widder in der Nähe des Gulgbaches mit Wasser beliefert (Aussage Ludwig Männer, Pechofen). Das Anwesen Klemmet hatte einen eigenen Brunnen. Die Steinmühle an der Wondreb - Hausname Stoiner - versorgt sich auch heute noch aus einem eigenen Brunnen nordwestlich der Mühle.
In der Chronik der Gemeinde Leonberg wird von einer um 1906 bestehenden Wasserleitung im Dorf Pleußen berichtet, die aber nicht den erhofften Erfolg gebracht haben soll. Nachweise für diese Aussage konnten nicht gefunden werden. Die um 1900 und kurz danach entstandenen Wohn- und Betriebsgebäude in Steinmühle und in „Neupleußen“ wurden mit Brunnenwasser versorgt.
Die um 1910 gegründete „Wasserleitungsgenossenschaft Königshütte, Neuhof, Steinmühle“ verlegte 1912/1913 eine Wasserleitung von Quellen östlich von Königshüte nach Königshütte, Neuhof, Forkatshof, Altenhammer und Steinmühle. Kosten rund 120.000 M. Diese Leitung wurde 1913 auch im 1903 erbauten Schulhaus in Steinmühle angeschlossen. In der Genossenschaft war die Gemeinde Pleußen Mitglied und wurde dort vom jeweiligen Bürgermeister vertreten. Unterlagen über die Gründung dieser Genossenschaft konnten bisher nicht gefunden werden.
Die Waldsassener Grenzzeitung berichtete am 09.03.1913:
1928 wurde die Leitung bis „Neupleußen“ verlängert, weil dort durch neue Wohnhäuser Bedarf entstanden war. Im gleichen Jahr beschloss die Ortschaft Pleußen - vertreten durch die Ortspflegschaft - eine Planung durch die Genossenschaft in Auftrag zu geben. Die Leitung sollte bis zum Dorf verlängert werden. Es gab sogar eine Kostenschätzung. Das Projekt wurde aber nicht umgesetzt.
1948 genehmigte der Gemeinderat Brunnen für zwei Anwesen auf dem gemeindlichen Grundstück in der Mitte des Dorfes. Im gleichen Jahr beantragte die Gemeinde bei der Wasserleitungsgenossenschaft die Verlängerung der Wasserleitung von „Neupleußen“ nach Pleußen.
Um die 1950er Jahre reichte der Druck in der Wasserleitung oft nicht mehr, um alle Wohnungen in „Neupleußen“ mit Wasser zu versorgen. Die Bewohner holten dann das Wasser mit Eimern und Töpfen aus einer Zapfstelle in Steinmühle, aus der auch die mit Dampf betriebenen Kleinlokomotiven des Basaltwerks das Wasser aufnahmen. Teilweise wurde Wasser auch von einer Quelle in der Tongrube geholt.
Da auch in mehreren Ortschaften der Gemeinden Pfaffenreuth, Leonberg, Pleußen und Kondrau Wassernot herrsche, gründeten diese Gemeinden 1951 den „Wasserzweckverband Pfaffenreuther Gruppe“.
Der Zweckverband übernahm die Einrichtungen, das Vermögen und die Verbindlichkeiten der Wasserleitungsgenossenschaft. Es wurden die Aufträge für die Ermittlung von geeigneten Quellen und für die Planungen vergeben. 1952/1953 wurden die Quellen bei der Egnermühle südöstlich von Waldsassen gefasst, ein Pumpwerk gebaut und Wasserleitungen zum Hochbehälter bei Pfaffenreuth und Königshütte verlegt. Südlich von Pleußen entstand ein Druckerhöhungswerk, über das das Wasser in einen neuen Hochbehälter nördlich von Pleußen und über einen Hochbehälter östlich von Pleußen an der Straße nach Kondrau geleitet werden konnte. Von dort ging es nach Kondrau bis an die Stadtgrenze von Waldsassen und in das dort entstandene Baugebiet von Waldsassen. Die Anlagen wurden im Oktober 1953 in Betrieb genommen. Sie Gesamtkosten beliefen sich auf rund 800.000 DM.
Hier der Verlauf der Leitungen nach den Baumaßnahmen 1952/53 (aus: Die Wassernot in sieben Stiftlandortschaften und ihre Wende. Gedenkschrift anlässlich der feierlichen Einweihung der Wasserversorgungsanlage der Gemeinden Pfaffenreuth–Pleußen–Leonberg–Kondrau am 19. Oktober 1953):
Der Bau wurde als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme von der Firma Bergauer in Waldsassen durchgeführt. Alle Erdarbeiten wurden in Handarbeit geleistet. Dadurch konnten viele Menschen beschäftigt werden. Deshalb war die Wasserleitung nicht nur wichtig zur Beseitigung von Wassernot sondern auch segensreich in Zeiten von Arbeitslosigkeit. Der Abschluss der Maßnahme wurde groß gefeiert. Weihbischof Hiltl sprach den kirchlichen Segen und die zahlreichen Schulkinder erhielten für ihre Mitwirkung eine Semmel mit Knackwurst, für damalige Verhältnisse ein unvergessliches Ereignis.
In einer Foto-Sammlung (Foto Sommer) fanden sich diese Aufnahmen mit einigen Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden und dem Weihbischof Josef Hiltl, der die kirchlichen Weihen vornahm, links neben ihm Stadtpfarrer Josef Neidl (Mitterteich):
Für die Gemeinde Pleußen nahm daran Bürgermeister Alois Schaumberger (1948-1960) teil.
Vor allem die Bevölkerung in Pleußen war für die Baumaßnahme dankbar. In der erwähnten Gedenkschrift wird an die schwierigen Umstände in den Jahrzehnten vorher erinnert:
„Die Wassernot stieg auf ein unerträgliches Maß, als infolge längerer Trockenheit die Quellen auf der Bienhöhe in ihrer Schüttung bedeutend zurückgingen. Nur durch besondere Sparmaßnahmen konnte eine einigermaßen gerechte Wasserverteilung in den Ortschaften Königshütte und Steinmühle durchgeführt werden. Der Umstand, daß Neupleußen verhältnismäßig hoch und am Ende des Rohrnetzes lag, verringerte den Wert der alten Anlage.
Darüber hinaus wurden in Neupleußen noch Wohnungen mit Spülklosetts gebaut, die vermehrten Wasserverbrauch mit sich brachten. So war es nicht verwunderlich, daß die Bewohner Neupleußens oft wochenlang ohne jede Wasserversorgung waren. Wie oft mögen die Frauen Neupleußens mit ihrem Gefährt nach der nahezu ½ km entfernten Wasserabgabestelle beim Basaltwerk gefahren sein, um dort ihre Wassergefäße zu füllen.“
1971 wurde zwischen der Pfaffenreuther Gruppe und den Anlagen der Stadt Waldsassen am Ortseingang von Waldsassen eine Verbindung hergestellt, um sich bei Bedarf aushelfen zu können.
Das Leitungsnetz erweiterte sich. 1965 wurde der Weiler Gulg angeschlossen und eine Verbindung vom Hochbehälter Pleußen nach Netzstahl in der damaligen Gemeinde Kondrau geschaffen.
2001 wurde das Pumpwerk an den Quellen für rund 800.000 DM neu gebaut und der Hochbehälter Pfaffenreuth mit rund 80.000 DM saniert.
2025 hat die Stadt Mitterteich mit einem Aufwand von rund 820.000 € eine weitere Verbindung von den Anlagen der Stadt Waldsassen zu den Leitungen des Zweckverbandes gebaut. Wasser kann nun auch über eine weitere Leitung der Wasseraufbereitungsanlage der Stadt Mitterteich in Zirkenreuth zugeführt werden. Durch den Verbund mehrerer selbständiger Wasserversorgungsanlagen ist die Wasserversorgung der angeschlossenen Orte mittelfristig gesichert Da unsere Heimat aber als Wassermangelgebiet eingestuft ist, bleibt die Versorgung mit diesem wichtigsten Lebensmittel eine Daueraufgabe.







