Der Text stammt aus der Jubiläumsschrift zum 100-jährigen Bestehen der Gommelbergkapelle 2005. Verfasst wurde er von Robert Treml. Den Text dürfen wir mit Einverständnis seiner Frau Agnes Treml hier verwenden.
Die Ortschronisten (2026)
1. Der Gummelberg als Wallfahrtsstätte
Der Gummelberg - in den amtlichen Flurkarten und im Grundbuch mit dem Flurnamen Gommelberg eingetragen - ist eine sanfte, 567 m hohe Anhöhe vulkanischen Ursprungs an der von Waldsassen nach Mitterteich führenden Bundesstraße, in der Nähe der Ortschaft Pleußen.
Auf dem Gummelberg befand sich jedenfalls schon in der Barockzeit eine Kapelle mit dem Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes. Wann nun diese Kapelle erstmals entstand und die Wallfahrt aufzuleben begann, wird sich heute nicht mehr genau feststellen lassen. Aufgrund der jüngsten Forschungen ergab sich aber, dass das kleine Heiligtum schon im frühen 18. Jahrhundert Gestalt angenommen haben muss. Als Beleg dafür gilt die erste, allerdings nur noch in Abschrift erhaltene Rechnung der würdigen schmerzhaften Muttergottes-Kapelle zu Pleußen" aus dem Jahre 1746. Darin ist dokumentiert, dass damals ein Kapital von 30 Gulden vorhanden war und dass aus dem seinerzeit in der Kapelle befindlichen Opferstock Einnahmen erzielt worden sind, die dann als Darlehen ausgereicht werden konnten. So wurden
- an Peter Wagner, bürgerlichem Leinweber zu Waldsassen am 10. Oktober 1738 ohne Versicherung verliehen: 10 fl. (Gulden);
- am 31. Oktober 1738 an Johann Riedl, bürgerlichem Zeugmacher allhie ohne Verjährung verliehen: 15 fl. (Gulden);
- an Franz Freundl, Bürger und Leinweber am 18. Februar 1739 vergeben: 8 fl. (Gulden);
- am 28. März 1740 an Johann Weigl, gewestem Thürmer allhie verliehen 2 fl. (Gulden) und schließlich
- 1740 an Martin Döberls Wittib zu Kondrau verliehen 4 fl. (Gulden),
woraus sich alljährlich Zinseinnahmen ergaben.
Auch in den Kirchenrechnungen von 1776 sowie von 1778 - 1783 über die Gummelbergkapelle sind solche Angaben enthalten.
Somit dürfte die erste Gummelbergkapelle etwa um 1720/30 errichtet worden sein. In einem Schreiben des Waldsassener Magistrats vom 07. Juni 1820 - also rund 100 Jahre später - wird die Entstehung mit folgenden Sätzen skizziert:
In der Vorzeit befand sich auf dem sogenannten Gummelberg bey Pleußen eine Kapelle, worin sich das Bildnis der schmerzhaften Muttergottes befand und die Leute in der ganzen Gegend wahlfahrteten dahin, brachten Opfer und verrichteten ihre Andacht. Dieses Opfer wurde in der ersten Zeit der Entstehung dieser Kapelle von den Kirchenpröpsten der St.-Walburgis-Kapelle (als) Pfarrkirche dahier erhoben und anfangs privative verrechnet und es wurden in den Jahren 1738 die ersten Kapitalien ausgeliehen. Im Jahre 1746 fand sich die vormalige gnädige Klosterherrschaft bewogen gnädigst zu befehlen, dass hinkünftig über diese Kapelle von den jedesmaligen Kirchenpröbsten der St.-Walburgiskirche zu Waldsassen ordentliche Rechnung gepflegt werden soll und dass diese gnädigste Anbefehlung richtig in Vollzug gebracht wurde, beweist die erste ... Rechnung Anno 1746.
Waldsassener Magistrat - 07. Juni 1820
Nach der Angabe in der Kirchenrechnung von 1776 betrug das Geldvermögen der schmerzhaften Muttergottes-Kapelle zu Pleußen bis dahin 207 fl, 44 Kreuzer, wobei „die zur St. Walburgi-Kapelle (in Waldsassen) verordneten Kirchenpröbste (d.h. die damalige Kirchenverwaltung) Stefan Weiß und Niklas Schmid, beide Bürger alhier" die Führung der Kirchenrechnung besorgten. Nahm das Leben im Stiftland seinen gewohnten Gang bis zu jenem unheilvollen Dienstag, den 11. Januar 1803, als das Kloster und Stift Waldsassen aufgehoben wurde und sich damit schon nach kurzer Zeit auch ein tiefer Einschnitt in kirchliche Brauchtum vollzog.
Abbruch und Neubau der Gummelbergkapelle samt Irrungen
2. Abbruch und Neubau
Wie es aufgrund der Säkularisation mit der Gummelbergkapelle schließlich weiterging, erfahren wir wiederum erst 16 Jahre später, aus dem Bericht des Waldsassener Magistrats vom 07. Juni 1820. Dabei heißt es nämlich:
...Im Jahre 1804 erschien eine allerhöchste Verordnung, dass alle Feldkapellen, vorzüglich solche, welche von den Landstraßen aus gesehen werden können, demolirt werden mussten, und da diese allerhöchste Verordnung allenthalben in Vollzug gesetzt wurde, so mußte auch die Kapelle auf dem Gummelberg mit demolirt werden und das Opfer hörte sodann auf. Das Bildnis der schmerzhaften Muttergottes, welches bei Demolierung dieser Kapelle hätte in die hiesige Pfarrkirche kommen sollen, hat die Gemeinde Pleußen verborgen und behalten. Im Jahre 1816 erschien unvermuthet auf dem Gummelberg auf dem nämlichen Platze wo ehemals die gemauerte Kapelle stand, eine solche mit Brettern verschlagen, welche die Gemeinde Pleußen aufstellte, und das schmerzhafte Muttergottesbild wieder darin aushängte. Sogleich strömten die Leute aus der ganzen Gegend wieder auf den Gummelberg, verrichteten da ihre Andachten und das Opfer, welches anfiehl war nicht unbeträchtlich, besonders wurde diese Wahlfahrt in den Schreckensjahren 1816/17 sehr stark besucht und man war selbst Augenzeuge, daß mehrere Trupps zu 70-80 Personen zusammen kamen und auf verschiedenen Seiten der Kapelle, nachdem selbe den hinlänglichen Raum nicht gewährte, ihre Gebethe und Andachten verrichteten...
Im Sommer 1820 wurden Klagen laut, dass sich der Bauersmann Kaspar Mayerl von Pleußen als selbsternannter „Patron" der neuen, hölzernen Feldkapelle betrachte, indem er das im Opferstock eingehende Geld sammelte und verwaltete und dieses Verhalten ja eigentlich als „Kirchendiebstahl" zu gelten habe. Mayerl hatte offenbar auch damit begonnen, eine kleine gemauerte Kapelle zu errichten, wozu ihm aber vom kgl. Landgericht keine Erlaubnis erteilt wurde, „weil die allerhöchste Verordnung nicht zurückgenommen worden ist, nach welcher die ehemalige Kapelle demolirt werden mußte". Klage wurde auch darüber geführt, dass Mayerl „sein immerwährendes, die Andacht störendes lautes Beten" unterlassen sollte, „weil die Leute, die ihre Andacht dahin verrichten wollen, nicht das geringste Gebet darbringen können".
Ob der Waldsassener Magistrat oder das Landgericht diesem Übel wirksam begegnen konnte, ist nicht überliefert.
Eine weitere, unliebsame Episode um die Gummelbergkapelle bahnte sich im Frühjahr 1833 an, als Pfarrer Anton German am 1. April 1833 als neuer Seelsorger nach Mitterteich gekommen war. Bereits am 24. Mai 1833 wandte er sich an das kgl. Landgericht Waldsassen, um auch die „in der Pleußner Dorfsmarkung liegende Feldkapelle auf dem sogenannten Gummelberg zur hiesigen Pfarrey und hinsichtlich ihrer Renten und Lasten zur hiesigen Pfarrstiftungs-Verwaltung" zu ziehen. Gleichzeitig protestierte Pfarrer German gegen jenes vermeintliche „widerrechtliche Attentat der Stiftungs-Verwaltung Waldsassen", nämlich die Einnahme der Spende aus dem Opferstock und überhaupt die Behauptung des Eigentums an der Feldkapelle durch Waldsassen.
So sah sich der damalige Waldsassener Pfarrer Gottfried Hausn (1767 -1852) bemüßigt, gegen diese überaus verwunderliche Behauptung Stellung zu nehmen und dabei den Status der Feldkapelle auf dem Gummelberg und ihre immerwährende Zugehörigkeit zur Pfarrei Waldsassen in allen Einzelheiten darzulegen. Dabei erinnerte sich Pfarrer Hausn auch noch daran, dass seine Amtsvorgänger, die früheren Waldsassener Pfarrgeistlichen P. Liborius Kraus (1749-nach 1806), P. Theobald Schwarz (1728 -1806) und P. Gerardus Spiz (1735 - 1809A am Fest der sieben Schmerzen Mariens die Gummelbergkapelle besucht hatten, ferner dass der Weg zwischen dem Dorf Pleußen und der Gummelbergkapelle die Grenzlinie der Pfarreien Mitterteich und Waldsassen bildete.
Aus der umfangreichen Korrespondenz, die sich nun entwickelt hatte, ergibt sich ferner, dass die damalige -hölzerne -Feldkapelle „auf königlichem Grund liegt und die Bauern von Pleußen nicht berechtigt sind, in diesem Gesträuch oder Wäldchen ihr Vieh bei der Kapelle weiden zu dürfen". Schließlich zog sich der Streit noch bis 1836 hin, obgleich Pfarrer Hausn das königliche Landgericht darum gebeten hatte „den Vorstand der Kirchenverwaltung Mitterteich von seinem Irrthum gefälligst zu belehren und auf immer zur Ruhe zu verweisen, damit die kostbare Zeit nicht durch muthwillig aufgesuchte Schreiberyen verschleudert werde".
3. Das Gelübde von 1836
Eine besondere Bedeutung sollte das kleine Marienheiligtum wenig später durch ein Gelübde der Pfarrei Waldsassen erhalten. Doch lassen wir dazu wieder Pfarrer Hausn selbst zu Wort kommen:
Im Jahre 1836 im Monat Oktober wurde die Stadt Eger von Prag her mit der Cholera, dieser Menschenfresserin, heimgesucht und in wenigen Tagen fanden über 80 Personen dadurch einen fürchterlichen Tod. Ich als damaliger Pfarrer nahm meine Zuflucht zu dem einzigen Retter und Helfer, zu dem Allerbarmer; wegen unserer Sünden getrauten wir uns nicht dem Throne des Allerhöchsten zu nähern, wir suchten eine mächtige Fürsprecherin und zwar die schmerzhafte Mutter Maria, welche schon von jeher durch ihre große Fürbitte besondere Gnaden ihren Verehrern bei ihrem göttlichen Sohne Jesus erwirkte. Am 28. Oktober 1836 stellte ich einen Bittgang an zu der kaum 6 Personen fassenden Kapelle auf dem Gummelberg nächst dem Dorfe Pleyßen. Auf dem Berge angelangt, hielt ich eine Anrede an mein Pfarrvolk, ermahnte dasselbe zur Buß mit dem Gelübde, daß wir, wenn uns Gott durch die Fürbitte seiner göttlichen, schmerzhaften Mutter Maria von dieser grässlichen Krankheit befreien würde, der seligsten Jungfrau, dieser Mutter von 7 Schmerzen, ein ziemlich großes Kirchlein auf dem Gummelberg neu erbauen lassen, damit das andächtige und von allen Seiten herbeyströmende Christenvolk seine Andacht entrichten und die Gnadenmutter mehr geehrt und verherrlicht werde.
Und tatsächlich, das Unerwartete trat ein: die Cholera verschwand so rasch, wie sie gekommen war; das Stiftland konnte aufatmen. Auch die Bayerische Regierung hatte dazu geholfen, die Gefahr abzuwenden und die Grenze durch Militär absperren lassen. In der Ortschronik von Waldsassen von 1906 findet sich dazu folgende kurze Notiz:
1836 kam in Eger die Cholera zum Ausbruch; viele Leute wurden hinweggerafft. Die Grenze wurde durch bayerisches Militär abgesperrt. Eine Jägerkompagnie unter dem Kommando des Hauptmanns Reichl wurde hier einquartiert und alle möglichen Vorsichtsmaßregeln kamen zur Anwendung. Waldsassen blieb verschont
Der Neubau der gelobten, steinernen Gummelbergkapelle
4. Der Neubau
Nachdem die Gefahr vorüber war ging Pfarrer Hausn alsbald daran, den Neubau der gelobten, steinernen Gummelbergkapelle in die Tat umzusetzen. Als erstes ließ er von dem Waldsassener Maurermeister Christian Ochsenmayer den Bauplan fertigen, der bereits am 01. März 1837 erstellt und zwei Tage später dem kgl. Landgericht Waldsassen zur Genehmigung eingereicht wurde. Landrichter Schmidt erteilte unterm 21. März 1837 bereitwillig die Baugenehmigung, da dieses Kirchlein durch milde Beyträge ex voto wegen der Fernhaltung der Cholera von unserer Gegend entsteht".
Pfarrer Hausn erließ ferner ein Rundschreiben in Form eines Bittgesuches um Beiträge zur Erbauung des Kirchleins, was zur Folge hatte, dass die kgl. Beamten, die Bürgerschaft von Waldsassen und der Exkonventuale P. Emmeram Pollinger (1769 - 1838) rund 200 fl. (Gulden) beisteuerten, während Pfarrer Hausn
selbst insgesamt 700 fl. (Gulden) aus eigenen Mitteln aufbrachte. Die Spenderliste hat sich übrigens noch erhalten!
So konnte die neue Kapelle in den Jahren 1837/38 erbaut und am 15. Juli 1838 - damals der 13. Sonntag nach Pfingsten - von Pfarrer Gottfried Hausn unter Assistenz von Pfarrer Max Kurz aus Münchenreuth und des Waldsassener Kooperators Bernhard Haberkorn mit Genehmigung des bischöflichen Ordinariats Regensburg unter großer Anteilnahme des gläubigen Volkes feierlich geweiht werden. Nachdem auch die Erlaubnis zur Feier des hl. Messopfers erteilt worden war, wurde ein noch vom letzten Abt Prälat Athanasius Hettenkofer geweihter Altarstein in den Altar eingefügt und gleich darauf ein festlicher Gottesdienst zelebriert. Dass der Bau der neuen Kapelle offenbar allseits mit großem Wohlwollen begleitet wurde, zeigt auch ein Ausweis" des Waldsassener Markt-Magistrats vom 03. Februar 1838. Darin heißt es doch tatsächlich:
Der Markts-Magistrat Waldsassen im Verständnis der Pfarrgemeinde macht sich verbindlich, das neu erbaute Kirchlein auf dem Gummiberg statt der kleinen zwecklosen Kapelle auf ewige Zeiten in baulichen Würden zu erhalten, und zwar umso mehr, da bei dieser über 100 Jahre bestehenden Kapelle das (an)fallende Opfer der andächtigen Gläubigen /Wahlfarten / einen weit höheren Betrag jährlich abwerfe, als die Unterhaltungskosten fordern.
Am 29. Juni 1839 benedizierte der gerade zur Firmung in Waldsassen weilende Regensburger Weihbischof Bonifaz Urban die beiden Glocken für den Turm des Kirchleins.
Im Frühjahr 1840 konnte Pfarrer Hausn schließlich die Schlussabrechnung über das Kirchlein erstatten. Darin heißt es:
Das Kirchlein auf dem Gummelberg liegt hoch -die Fuhren -Maurer, Handlanger nebst Materialien, Pflaster, der mit Weißblech überzogene Thurm nebst 2 Glocken ... wurde im vorigen Jahre 1839 ganz neu erbaut und der Betrag hiervon immer genau geführt, fasst in sich 903 Gulden.
Davon hatte allein Pfarrer Hausn 701 Gulden, 10 Kreuzer aufgebracht, wie er selbst glaubhaft versicherte. Pfarrer Hausn, der sich also um die (Wieder)-Erbauung des Gummelberg-Heiligtums so große Verdienste erworben hatte, war ursprünglich Zisterziensermönch und Fischmeister im Kloster Waldsassen. Nach der Säkularisation von 1803 wurde er Weltpriester und erhielt zunächst die Pfarrei Schwarzenbach, wo er bis 1810 wirkte. Als im Sommer 1810 die Pfarrei Waldsassen vakant geworden war, ernannte ihn das Bischöfliche Ordinariat Regensburg im August 1810 zum neuen Pfarrer im Markt Waldsassen. Diese Aufgabe versah er nun fast 42 Jahre lang, geliebt und geschätzt von jedermann. Er war ein guter Redner und trefflicher Sänger und dazu geistig und körperlich rüstig bis ins hohe Alter. Pfarrer Hausn war auch Kämmerer des Dekanats Tirschenreuth und versah 38 Jahre lang das Amt eines Distriktsschulinspektors mit größtem Eifer. Beim alljährlichen Erntedankfest bestieg er die Kanzel, hielt eine schlichte, kurze Ansprache und wies dabei auf die Mühen des Landmannes hin, um gleichzeitig zu betonen, dass der Mensch zur Arbeit geboren sei, wie der Vogel zum Fluge. So ist Pfarrer Hausn nach einem erfüllten Leben tiefbetrauert und gottergeben am 15. April 1852 verstorben und fand auf dem Waldsassener Friedhof seine letzte Ruhestätte.
Die Pflege und Unterhaltung der Gummelbergkapelle
5. Pflege und Unterhaltung
So zogen wiederum Jahrzehnte ins Land. Durch die hohe, freie Lage auf dem Gummelberg war die Kapelle stetig Wind und Wetter ausgesetzt, die auch dem Kirchlein Schaden zufügten. So sah sich schließlich Pfarrer Benno Fuchssteiner (1819 -1882) in die Notwendigkeit versetzt, die Kapelle 1877 einer gründlichen Restaurierung zu unterziehen. Die dabei entstandenen Kosten betrugen 1.062 Mark. Davon wurden 919 Mark durch freiwillige Beiträge und der Rest aus Mitteln der Kath. Kirchenstiftung Waldsassen beglichen. „Die benötigten Fuhren zur Beschaffung des Baumaterials sowie die unentgeltliche Lieferung von Brettern zur Fertigung neuer Kirchenstühle leisteten die Ortsbewohner von Pleußen, welche auch in pekuniärer Hinsicht nach Kräften zur Verherrlichung des Marienkapellchens beitrugen. Nicht unerwähnt möge bleiben der Oeko nom Liborius Riedl von Kondrau, welcher gegen 400 Dachziegeln zur Reparatur des Daches verabfolgte",
so die Notiz von Pfarrer Fuchssteiner über die Baumaßnahme.
Die wichtigsten Posten bei den Ausgaben zur Restaurierung 1877 bildeten
- das neue Altarbild der schmerzhaften Mutter Gottes mit dem Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoß, gemalt von dem Amberger Kunstmaler Johann Baptist Ernstberger um 40.-Mark;
- die Altarfassung und Malerei in der Kapelle, gefertigt von dem Waldsassener Uhrmacher Johann Ernstberger um 259.-Mark;
- das Wand-Crucifix und einige weitere Verzierungen des Altars zu 29.- Mark;
- die Schlosserarbeiten, ausgeführt von Josef Waller, Waldsassen um 265.-Mark;
- das Altarkreuz nebst 4 Leuchter von Joh. Rüth, Gürtler in Mitterteich um 80.-Mark
- die Kosten für die Pflastersteine mit 115.-Markn
Nach vollzogener Instandsetzung fand am Dienstag, den 22. Mai 1877 die feierliche Wiedereröffnung des restaurierten Kirchleins statt. Dazu brachte damals auch der Tirschenreuther Volksbote einen ansehnlichen Bericht. Darin wird zunächst kurz die Geschichte und Entstehung der Kapelle geschildert. Dann hieß es in dem Beitrag weiter:
Die Restauration ist eine gründliche und dauerhafte. Die Ausschmückung eine ganz gelungene. Heute nun fand nach mehrmonatlicher Unterbrechung die Eröffnung des Kirchleins wieder statt mit einem feierlichen Gottesdienst. Eine große Menge Menschen aus der ganzen Umgegend, welche die Kapelle nicht mehr fassen konnte, strömte zusammen. Sichtlich war die Freude und Zufriedenheit Aller mit der zweckentsprechenden Verwertung ihrer Gaben und Spenden. Jedermann fühlte sich erbaut und gehoben, aufs Neue angeeifert zur Verehrung der schmerzhaften Mutter des Herrn, und schied mit dem Vorsatze, sie bald möglichst wieder zu besuchen. Auch die weit und breit ausdehnende Fernsicht, die sich von da aus dem Auge des Naturfreundes bietet, ist sehr einladend zum Besuche und äußerst lohnend. Möge die Mutter Gottes auf dieser hehren Warte ihre schützenden und gnadenvollen Hände ausbreiten über die ganze Umgegend und die weiteste Ferne
Nach dem Tod von Pfarrer Benno Fuchssteiner 1882 kam bald darauf mit Johann Baptist Sparrer ein neuer Pfarrer nach Waldsassen, der sich im Laufe seiner Amtszeit die Dokumentation der Pfarrgeschichte angelegen sein ließ. So veröffentlichte Sparrer 1884 im Kalender für kath. Christen einen interessanten Beitrag über die Geschichte der Wallfahrtskapelle auf dem Gummelberg.
Erfreulicherweise ist dieser Beitrag illustriert mit einem Holzstich; dieser zeigt die Kapelle, das neue Gnadenbild von 1877 und den damaligen, neben der Kapelle gelegenen Kalvarienberg, bestehend aus 3 Kreuzen und 2 Heiligenfiguren. Dieser hat sich leider nicht erhalten.
Das Gummelbergkirchlein aus notarieller Sicht
6. Das Kirchlein aus notarieller Sicht
Dass sich die Existenz der kleinen, bescheidenen Wallfahrtskapelle im ausgehenden 19. Jahrhundert auch in nüchternen, juristisch geprägten Notariatsurkunden widerspiegelt, mag uns heute zwar verwundern. Im Zuge der Erforschung der Heimatgeschichte und Volkskunde muss man dafür aber recht dankbar sein, dass damals einige markante Einzelheiten beurkundet und damit zeitlos aktenkundig wurden. Die erste Belegstelle findet sich in der Urkunde des bayer. Notariats Waldsassen vom 24.07.1889, GRNr. 322. Es handelte sich dabei um einen Tauschvertrag zwischen dem königl. Staatsärar, vertreten durch den königl. Forstmeister Franz Eder von Waldsassen und den Bauerseheleuten Johann und Margareta Sigl, geborene Dietz, von Pleußen Nr. 2 über Grundstücksflächen auf dem Gummelberg. Auf einem der Grundstücke, die von den Eheleuten Sigl (lange falsch als Siegl geschrieben) erworben wurden, befand sich nämlich die Gummelbergkapelle. Daher übernahmen die Ehegatten Sigl als Besitzer der von ihnen eingetauschten Grundstücke für sich und ihre Besitznachfolger die Verpflichtung:
- den Fortbestand und die bauliche Unterhaltung der in Plannummer 2881/4 befindlichen, der Kirchenstiftung Waldsassen angehörigen, der Gemeinde Pleußen zukatastierten Votivkirche Plannummer 288 1/2 sowie des bei derselben befindlichen, aus drei Kreuzen und zwei Heiligenstatuen bestehenden Kalvarienberges zu dulden;
- ebensowohl den bisher üblich gewesenen Einzelnbesuch der Votivkirche und des Kalvarienberges, als auch die jährlich dorthin stattfindenden Votivprozessionen unbehindert zuzulassen;
- den der Gemeinde Pleußen zukatastierten Fußweg zur Votivkirche in einer Breite von drei Metern ... offen und
- rings um die Gommelbergkapelle einen vier Meter breiten Flächenstreifen frei zu halten;
- denjenigen Teilnehmern an den jährlichen Prozessionen zur Gommelberg- kirche, welche diese nicht aufzunehmen vermag, den Aufenthalt vor und im Umkreise derselben zu gestatten.
Zur Sicherheit wurden diese Verpflichtungen auch noch im Hypothekenbuch des königlichen Amtsgerichts Waldsassen eingetragen.
Die Vereinbarung der Rechte bezüglich der Gummelbergkapelle war damals wirklich notwendig und weitsichtig, nachdem nämlich die Eheleute Sigl noch im gleichen Jahre (1889) den eingetauschten Grundbesitz - mit Ausnahme der Fläche um die Kapelle - an die Gastwirtseheleute Anton und Franziska Schmid von Waldsassen verpachteten, zum Zwecke der alleinigen und vollständigen Ausbeute des darin befindlichen Basaltvorkommens. Da man es aber doch als sinnvoller erachtete, den um die „Votivkirche" samt Kalvarienberg gelegenen Grundstücksstreifen gleich der Katholischen Kirchenstiftung Waldsassen zum Eigentum zu übertragen, so erfolgte mit Urkunde vom 13.12.1889, GRNr. 549 die entsprechende Abtretung einer 410 qm großen Fläche an die Kirchenstiftung, wobei das Kapellengrundstück nun 510 qm umfasste.
Der Abbruch der Kapelle 1904 und der Neubau von 1905
7. Abbruch und Neubau
Da der Gummelberg in grauer Vorzeit einmal vulkanischer Art gewesen sein muss, so richtete die Familie Schmid als Pächter wie auch die Familie Sigl ihr Augenmerk auf die Ausbeute des Basaltvorkommens. Heute erinnert nur noch der aufgelassene Steinbruch mit einem großen, tiefen Krater auf dem Berg an den früher hier geführten Basaltabbau. Eines Tages - wohl um 1900 - verstärkte sich die Erkenntnis, dass das ehrwürdige Votivkirchlein auf dem Gummelberg dem weiteren Basaltabbau im Wege stand. So trat man in Verhandlungen ein, um eine Versetzung der Kapelle zu erwirken. Doch vorab suchte man freilich um die Genehmigung durch das Bischöfliche Ordinariat Regensburg nach. Dieses äußerte sich am 18. März 1904 wohlwollend:
In Würdigung der mittels Vorstellung in bez. Betr. vom 10./11. lfd.Mts. uns näher dargelegten Gründe und Verhältnisse wollen Wir genehmigen, daß die Wallfahrtskapelle auf dem Gummelberg abgebrochen und auf Kosten der Besitzer des Gummelberges in der beantragten Weise auf einer günstiger gelegenen Stelle desselben Berges neu aufgeführt werde. Selbstverständlich wird eine Grundfläche in mindestens gleich großem Ausmaße wie bisher der Kirchenverwaltung als Eigentum zugebrieft und von den Eigentümern der umliegenden Grundstücke die nämliche Verpflichtung bezüglich der Sicherung des Bestandes der neuen Kapelle, ihrer Zugänglichkeit und ungestörter Abhaltung der herkömmlichen Bittgänge etc. wie bisher in rechtsverbindlicher Weise übernommen werden müssen ...
Auch die kath. Kirchenverwaltung Waldsassen hatte sich schon im Vorfeld geäußert und ihre grundsätzliche Zustimmung signalisiert. Doch mußte man bezüglich der baulichen Beschaffenheit der bisherigen Kapelle und ihrer Umgebung auch zugeben:
... „so schön sie sich auch auf dem Basaltkegel nach Abtrieb des Waldbestandes ausnahm, so zeigte es sich bald, dass der Basalt ein schlechter Untergrund ist, die Feuchtigkeit in den inneren Raum drang und trotz aller angewandten Mittel nicht zu entfernen ist, so das der Mauerfraß 1 -2 Meter hoch die Wände zerstört, weshalb die Paramente und Wäsche angegriffen wurde und in kurzer Zeit erneuert werden müssen, die Farbe an den Gemälden u. die Fassung an dem Altärchen absprang und ein moderiger Geruch allenthalben sich geltend machte. ... Dazu kommt noch, das im Laufe der Zeit auf der Südseite von dem Säulenbasalt Stücke zur Straßenpflasterung, Pflasterung von Haustreppen, Ställen usw. von der Nachbarschaft geholt wurden, weshalb der Berg und die Kapelle von Süden her nicht mehr zugänglich war und deswegen schon der Bestand der Kapelle geschädigt wurde...."
Durch den fortschreitenden Basaltabbau war die Kapelle schließlich nur noch von der Nordseite her zugänglich und ragte der Basaltkegel samt Kapelle wie eine Art Kuppe aus der umgebenden Landschaft heraus. Ein Zustand, der auf die Dauer eigentlich nicht mehr tragbar erschien. Damit war die Versetzung der Kapelle aus mehreren Gründen eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Nachdem also die Zustimmung der zuständigen Behörden vorlag, schlossen die Beteiligten am 23.03.1904 ein
„Kapellen-Transferierungs-Übereinkommen",
das im Wortlaut auch in dem entsprechenden, notariellen Tauschvertrag vom 24.09.1904 GRNr. 880/1904 eingearbeitet ist. Hiernach wurde
…seitens der Katholischen Kirchenverwaltung den Sigl-Ernstbergschen Beteiligten gestattet, daß seitens derselben die bisherige Gummelberg-Kapelle samt Kalvarienberg auf deren eigene Kosten abgebrochen werde, wogegen die Siegl-Ernstberger 'schen Beteiligten die Verpflichtung übernommen haben, auf demselben Berge an einer anderen, mit der Kirchenverwaltung vereinbarten Stelle nach dem den Aufsichtsbehörden vorgelegten Bauplan unter Leitung eines geprüften Baumeisters und unter Oberaufsicht des Distrikts-Technikers in Tirschenreuth mit solidem Baumaterial sowohl einen Kapellen-Neubau, dessen Baukosten mit den Kosten der Bedachung, des neuen Turms, des Altarunterbaues und der Bodenisolierung die Siegl-Ernstberger 'schen Beteiligten allein und ausschließlich tragen haben, während die innere Einrichtung von der Kirchenverwaltung besorgt wird, auf ihre Kosten herzustellen, auch den Kalvarienberg, bestehend aus drei Kreuzen und zwei Heiligenstatuen neben der neuen Kapelle wieder herzustellen..
Gleichzeitig gab die Kath. Kirchenstiftung das bisherige Kapellengrundstück im Tauschwege ab und erhielt dafür einen neuen Bauplatz - etwa 80 Meter vom bisherigen Standort entfernt - samt Zugangsweg. Die Grasnutzung auf dem neuen Kapellengrundstück sollte aber noch den Siegl-Ernstberger 'schen Beteiligten zustehen.
Im Juli 1904 informierte die in Waldsassen erscheinende „Grenzzeitung” ihre Leser mit einer kurzen Meldung zu dem Vorhaben:
Waldsassen, 14. Juli 1904: Um eine weitere Ausbeutung des unter dem Namen „Gummelberg" bekannten Basaltkegels bei Pleußen zu ermöglichen, wird die auf der Spitze desselben stehende Kapelle von den Besitzern des dortselbst befindlichen Basaltbruches, den Hrn. Gebr. Sigl niedergerissen, um an einer anderen geschützteren Stelle des Berges auf eigene Kosten wieder aufgebaut zu werden. Die Prozession von Waldsassen am Sonntag war die letzte, welche die alte Kapelle in ihren Mauern aufnahm.- Die Kapelle wurde im Jahre 1837 als Dank gegen Gott errichtet. In diesem Jahre wütete in Eger die Cholera und forderte viele Opfer; merkwürdigerweise griff die furchtbare Seuche nicht nach Waldsassen über, weshalb fromme Einwohner des Ortes zum Andenken an die gnädigliche Bewahrung die Kapelle erbauten.
So erfolgte schließlich im September 1904 der Abbruch der alten Kapelle und wurde sogleich mit dem Neubau begonnen, der am Fuß des Berges zu stehen kam. Die neue Kapelle wurde an ca. 20 m tieferer Stelle neu errichtet. Im Sommer 1905 war die neue Kapelle fertig und konnte geweiht werden. Auch über die Einweihung am 13. August 1905 fand sich der folgende, ansehnlicher Bericht in der „Grenzzeitung":
Waldsassen, 15. August 1905 Einweihung . Letzten Sonntag, den 13. Aug. wurde am Gummelberg das dortige neu erbaute Kirchlein vom Hochw. Herrn Kooperator Jos. Scherbauer von Waldsassen mit bischöflicher Genehmigung feierlich benediziert; eine stattliche Volksmenge aus Waldsassen, Kondrau und Pleußen, darunter die freiw. Feuerwehren Pleußen / Konnersreuth und Neudorf in Uniform und mit Musik, hatte sich zu dieser erhabenen und seltenen Feier eingefunden. Nach Beendigung der Zeremonien berührte der hochw. Herr Offiziator in einer kurzen Ansprache die wesentlichen Punkte der Geschichte des jetzigen bzw. früheren Kirchleins. Nachdem der hochw. Herr Offiziator dem Stifter der jetzigen Kapelle Hrn. Joh. Sigl von Pleußen und den Erbauern (Herrn Franz Schuster und Herrn Johann Kneidl von Waldsassen) in aller Namen gedankt hatte, wies er noch im Besonderen auf die Bedeutung des neuen Gotteshauses hin. Darauf wurde ein feierliches Amt in der neuen Kapelle zelebriert und mit einem herrlichen Marienliede, das der Waldsassener Kirchenchor zum Vortrag brachte, die Feier würdig beschlossen.
Selbstverständlich erhielt die Einrichtung der alten Kapelle auch wieder ihren Platz im neuen Kirchlein, angefangen von der Ausstattung des Altars über die Bilder, Figuren und Kirchenbänke bis hin zu den beiden Glocken. Unter den Bildern, die nun in die neue Kapelle einzogen, waren auch zwei auf Holz gemalte Votivbilder mit dem Motiv der schmerzhaften Muttergottes und den Votanten. Die Bilder tragen die Datierung von 1779 bzw. 1780 und stammen damit noch aus der ursprünglichen Kapelle; sie haben sich bis heute erhalten. Der erwähnte Offiziator, der die neue Gummelbergkapelle eingeweiht hat, war der damalige Kooperator Josef Scherbauer. Er war geboren am 16. Februar 1878 in Katzbach und hatte nach seiner Studienzeit am 24. Mai 1903 die Priesterweihe erhalten. So wirkte er von 1903 bis 1908 als Kaplan in Waldsassen und kam nach mehreren Zwischenstationen im Juli 1935 als Stadtpfarrer nach Stadtamhof, wo er am 7. Juli 1941 verstorben ist.
Episoden und Ereignisse um die Gummelbergkapelle im 20. Jahrhundert
8. Episoden und Ereignisse im 20. Jahrhundert
Als echtes „Kind" des 20. Jahrhunderts nahm die Gummelbergkapelle unwill- kürlich teil an vielen Ereignissen und Episoden der letzten Jahrzehnte und er fuhr im Laufe der Zeit einen deutlichen Wandel von der ursprünglichen, einsam gelegenen Wallfahrtskapelle hin zur eingebundenen Volks- bzw. Dorfkapelle. Dies begann bereits nach dem unseligen Ersten Weltkrieg, als auch die Vereine aus Pleußen und Steinmühle eine ganze Reihe von Kriegsopfern zu beklagen hatten und in der Gummelbergkapelle ein würdiges Kriegerdenkmal errichten wollten. Die „Grenzzeitung" brachte dazu am 07. Juli 1921 folgende Meldung:
...Schon längst war es der sehnlichste Wunsch der Freiwilligen Feuerwehr Pleußen, ihren gefallenen und im Felde verstorbenen Mitgliedern eine Heimatgrabstätte zu widmen, in der Form einer Kriegergedenktafel. Da sich nun der kath. Arbeiterverein Steinmühle und Umgebung mit anschloss und auch von Seiten des gesamten Gemeinderates Pleußen dieses edle Werk vollste Unterstützung fand, ist es gelungen, dieses schöne und ewige Andenken, wenngleich mit großem Kostenaufwand verbunden, zu vollenden. Es findet daher am Sonntag, den 17. Juli (1921) vormittags halb zehn in der Gummelberg-Kapelle zu Pleußen unseren gefallenen Helden, Mitgliedern und Gemeindebürgern zu Ehren die feierliche Einweihung dieser Kriegergedenktafel mit darauffolgendem feierlichen Gottesdienste statt. Die beiden festgebenden Vereine sowie der Gemeinderat und die ganze Einwohnerschaft von Pleußen werden alles aufbieten, den gesamten hierzu geladenen Vereinen und Festgästen, die durch ihr Erscheinen das Fest verherrlichen helfen, durch Schmücken und Dekorieren des Ortes und des Kirchleins das Verweilen im Orte und beim Feste recht angenehm zu machen. Damit auch für Unterhaltung gesorgt ist wird von der Freiwilligen Feuerwehr Pleußen von nachmittags zwei Uhr ab ein Gartenkonzert veranstaltet, welches (durch) die verstärkte Musikkapelle Zeitler aus Mitterteich, die auch zur vormittäglichen kirchlichen Feier spielt, ausgeführt wird ...
Damit war die Gummelbergkapelle faktisch zu einer Art Dorfkirche von Pleu- ßen und Steinmühle geworden und bildete fortan das dörfliche Heiligtum. Dies kam auch wieder zum Ausdruck, als die am 16. März 1899 ins Leben gerufene Freiwillige Feuerwehr Pleußen am 28. Juni 1925 ihr 25-jähriges Gründungsfest, verbunden mit Fahnenweihe feierte und der Festgottesdienst am Sonntag sowie der Trauergottesdienst am Montag in der Gummelbergkapelle stattfand.
Als im Frühjahr 1942 auf staatliche Weisung hin alle Glocken von den Kirchtürmen und Kapellen im Stiftland eingezogen wurden, um das Material für Kriegszwecke zu verwenden, mussten leider auch die beiden Glocken der Gummelbergkapelle abgeliefert werden. Unter den Gläubigen, die sich um 1942 an der Waldsassener Bittprozession zum Gummelberg beteiligten, befand sich offenbar auch ein Fotograf der damals den Bittgang und die Teilnehmer auf mehreren Farbdias im Bilde festhielt. Der begleitende Priester war damals Kaplan Alois Ederer. Die Dias haben sich erfreulicherweise noch erhalten und zeugen heute von der großen Zahl an Teilnehmern, die in dieser Zeit das Gelöbnis erfüllten.
Noch in den 1950- und 60-er Jahren führte alljährlich an einem Sonntag Ende Juli auch von Konnersreuth her ein Bittgang zur Gummelbergkapelle, zuletzt angeführt vom Vorbeter Otto Neumann, Konnersreuth, wobei auf dem Heimweg in Neudorf eingekehrt wurde. Leider ist diese Prozession wohl Anfang der 1970-er Jahre eingestellt worden. Schon in den 1950-er Jahren hatte die Bebauung des Geländes mit Wohngebäuden in einiger Entfernung von der Gummelbergkapelle eingesetzt. Ende der 1970-er Jahre ergab sich dann - nach Abschluss der Flurbereinigung Pleußen-Kondrau - die Möglichkeit, dass vor der Gummelbergkapelle gelegene freie Gelände als großzügigen Bauplatz zu verkaufen. So entschied sich die Katholische Kirchenverwaltung Waldsassen in ihrer Sitzung am 18. September 1980 dafür, auch einen entsprechenden Grundstücksstreifen um die Gummelbergkapelle käuflich zu erwerben, um damit einen geräumigeren Umgriff um die Kapelle sicher zu stellen. Nach der amtlichen Vermessung wurde so dann am 11. Dezember 1980 die notarielle Verbriefung vorgenommen. Dabei erwarb die Katholische Kirchenstiftung Waldsassen insgesamt 1345 qm zum Kapellengrundstück hinzu. Dieses beschreibt sich seither wie folgt:
Gemarkung Pleußen:
Flst. 304 Gommelberg; Kapelle mit Umgriff, Hofraum, Verkehrsfläche zu 0,2358 ha. Zu dem Grundstück gehört auch der entsprechende Zufahrtsweg.
1982 ließ die Stadt Mitterteich durch die Initiative ihres damaligen Bürgermeisters Karl Haberkorn das große, schadhaft gewordene Holzkreuz neben der Gummelbergkapelle samt dem Blechschnitt-Christus erneuern, dessen Einweihung durch Stadtpfarrer Vitus Pschierer Ende Mai 1982 erfolgte. Das Holzkreuz ist offenbar nach 1910 errichtet worden, wohl in Anlehnung an den einstigen, längst verschwundenen Kalvarienberg.
1985 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Pleußen eine neue Fahne. Als Fahnen-patin fungierte Elisabeth Thoma. Die Fahne wurde dann im Rahmen des Festgottesdienstes im Juni 1985 in der Gummelbergkirche, deren Bild sich auf der Rückseite der Fahne befindet, durch den damaligen Expositus, Oberstudienrat Harald Kamhuber feierlich geweiht. In den letzten Jahrzehnten wurde das Gummelbergkirchlein durch die Initiative des jeweiligen Stadtpfarrers von Waldsassen mehrfach restauriert. Im Mai 1969 hatte noch Josef Häckl, Pleußen Nr. 40 c als Betreuer der Kapelle auf die damals dringende nötige Renovierung hingewiesen. So kam es auf Veranlassung von Dekan und Stadtpfarrer Msgr. Vitus Pschierer im Frühjahr 1986 zu einer umfassenden Renovierung des Kirchleins, das innen einen neuen Anstrich und außen einen neuen Verputz erhielt. Auch der Eingang und dessen Überdachung wurden damals neugestaltet.
Am Sonntag, den 20. Juli 1986, feierte die Pfarrgemeinde Waldsassen zusammen mit den Gläubigen der Expositur Steinmühle das 150-jährige Jubiläum der Prozession zum Gummelberg. Den feierlichen Gottesdienst, verbunden mit der Weihe der renovierten Kapelle, hielt Stadtpfarrer Msgr. Vitus Pschierer in Konzelebration. Die musikalische Umrahmung besorgten der Basilika Chor unter Leitung von Anton Zimmert und die Großkonreuther Blaskapelle. Nach dem Gottesdienst gab es eine musikalische Unterhaltung sowie Speisen und Getränke.
Für das leibliche Wohl der Gäste sorgte wiederum die KAB Waldsassen, die diese Aufgabe in den letzten zwei Jahrzehnten vorbildlich versah.

9. Quellen/Literatur
Auszug aus der Festschrift zum 100-jährigen 2005, Verfasser Robert Treml, Waldsassen
Quellen/Literatur:
Geodaten Rudi Ehstand „Kapellen“
01. Staatsarchiv Amberg: LGä0. Waldsassen Nr. 104
02. Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg Nr. 345 / 294 / 295
03. Die Wallfahrtskapelle auf dem Gummelberge bei Waldsassen in der Oberpfalz, Bezirksamts Tirschenreuth, Diözese Regensburg von Johann Bapt. Sparrer, erschienen 1884 im Kalender für kath. Christen sowie gleichlautendes Faltblatt mit Holzstich;
04. Urkunden des bayer. Notariats Waldsassen
-vom 24.07.1889, GRNr. 322 (Tauschvertrag);
-vom 27.11.1889, GRNr. 531 (Pachtvertrag),
-vom 13.12.1889, GRNr. 549 (Grundabtretungsvertrag),
-vom 24.09.1904, GRNr. 884 (Tauschvertrag).
05. Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg, Heft XIV Bezirksamt Tirschenreuth, bearbeitet von Felix Mader, 1908.
06. Diverse Presseberichte über die Gummelbergkapelle in der „Grenzzeitung", verwahrt im Stadtarchiv Waldsassen.
07. Jubiläumsausgabe des Kirchenanzeigers der Stadtpfarrei Waldsassen für die letzte Woche des Kirchenjahres 1954 mit der Schilderung des Gelöbnisses von 1836 durch Pfarrer Hausn.
08. Geschichte der katholischen Pfarrei Mitterteich von Manfred Knedlik, erschienen 1990.
09. 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Pleußen 1899 — 1999 — Festschrift von 1999.
10. Bild- und Textmaterial zur Geschichte und Tradition der Gummelbergwallfahrt im Archiv Treml. Abschließend ist es dem Autor ein Bedürfnis, sich bei allen sehr herzlich zu bedanken, die ihn bei der Erarbeitung der vorstehenden Chronik sowie durch Text- und Bildmaterial unterstützt haben, namentlich beim Staatsarchiv Amberg, beim Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg, beim Stadtarchiv Waldsassen, beim Stadtpfarramt Waldsassen, bei Herrn Walter Tippmann, Herrn Dieter Müller und Herrn Andreas Rosner, Pleußen, Frau Margareta Bodenstein, Hofteich, Familie Schaumberger, Pleußen, bei Herrn Ludwig Betzl, Neudorf und bei der Dorfgemeinschaft Pleußen. Ihnen allen gilt an dieser Stelle ein herzliches „vergelt's Gott"!
Der Verfasser der Festschrift, Robert Treml, ist leider verstorben. Die Veröffentlichung ist von seiner Familie für unsere Verwendung freigegeben worden. Wir wollen Robert beim Lesen nochmals vergelts Gott sagen!










