Vorwort

Der Text soll geologische Zusammenhänge bewusst niederschwellig darstellen und verzichtet daher weitestmöglich auf wissenschaftliche Sprache. Weiterführende Links und Quellen für Leserinnen und Leser, die tiefer in die Thematik einsteigen möchten, werden am Ende genannt. Da es sich nicht um einen wissenschaftlichen Text hat, wird auch auf Satzgenaue Quellenangaben verzichtet. Die verwendete Literatur wird aufgeführt.

Sonja Schmid

Säulen und Kristalle – Grüße aus dem Erdmantel

Nur, wenn der der „Bruchteich“ im ehemaligen Steinbruch am Gipfel des Gommelbergs einen sehr niedrigen Wasserstand hat, sind links gegenüber der unteren Zufahrt zum Teich knapp über der Wasserfläche filigrane, fast waagrecht liegende Basaltsäulen erkennbar. Wie die Säulen sich im 19. Jahrhundert vor Beginn des Basaltabbaus darstellten, ist gut auf der Zeichnung von Carl-Wilhelm von Gümbel von 1867 zu erkennen. Neben einem Bereich, in dem die Säulen dicht senkrecht nebeneinanderstehen, zeigen sich die Säulen im Vordergrund aufgefächert angeordnet. Ähnliche Strukturen kenn man in der Oberpfalz vom Basaltkegel Parkstein oder – modellhaft – vom Hirtstein bei Satzung im Erzgebirge.  

Wirft man einen Blick auf die in der Mülldeponie Steinmühle links an der Zufahrt zum Bauschuttabladeplatz erhaltenen Basaltsäulen, zeigt sich ein völlig anderes Bild: Hier sind die Säulen meterdick und stehen aufrecht nebeneinander.

Auch, wenn sich die Gesteine am Gommelberg und in der Deponie von der chemischen Zusammensetzung her ein wenig unterscheiden, handelt es sich bei beiden um das, was gemeinhin als „Basalt“ bezeichnet wird. Woher kommt dieses dunkle, feinkörnige Gestein, das an der Säulenoberfläche oft löchrige Vertiefungen und im frischen Bruch bis zu Zentimeter große Bereiche mit grünen Kristallen aufweist? Wie entstehen die typischen Säulen? Woher kommen die Kristalle? Woher stammen die Löcher?

Laut Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Basalt) ist Basalt „… ein basisches (Si02-armes) Ergussgestein. (..) für gewöhnlich dunkelgrau bis schwarz. Es entsteht bei der Aufschmelzung des Erdmantels. Basalt ist, betrachtet man sowohl das Festland als auch den Ozeanboden, das Gestein mit der weltweit größten Verbreitung.“

Kommt Basalt auf dem Festland vor, ist er meist an so genannte „tektonische Schwächezonen“, also Gebiete, wo die Erdkruste viele Brüche aufweist, gebunden. Sprich: damit aufgeschmolzenes Material (Basaltmagma) aus dem oberen Erdmantel, der sich in Tiefen von etwa 40 km bis 400 km befindet, an die Erdoberfläche aufsteigen und dort mit der typischen Säulenbildung erstarren kann, muss es einen Weg durch die Erdkruste finden. Dies ist in Gebieten von so genannten Grabenbrüchen, wie dem Egergraben (auch Eger Rift), möglich.

Der Egergraben ist eine so genannte „passive Riftzone“. In diesem Gebiet führt die „Fernwirkung“ der Alpenbildung zu einer Aufwölbung der Erdkruste, in deren Folge es zu einer Ausdünnung und schließlich zu Brüchen in der Kruste kommt. Aber auch Brüche, die schon bei einer wesentlich früheren Gebirgsbildung angelegt wurden, wurden und werden durch die tektonische Aufwölbung der Kruste reaktiviert Die durch die Brüche entstandenen Schollen können nun absinken bzw. in Beziehung zueinander auch hochgeschoben werden. An den Grenzen der Schollen, in den Brüchen, kann Basaltmagma aufsteigen. Voraussetzung dafür ist, dass es unter den Schollen Bereiche gibt, in denen Mantelbasalt aufgeschmolzen ist. Die Schmelze darf man sich hierbei nicht unbedingt als 100 % glutflüssig vorstellen: Vielmehr gibt es Bereiche, die noch feste Minerale oder Gesteine, die einen höheren Schmelzpunkt als das Basaltmagma haben, aufweisen.

Neben der Rhön ist der „Reichsforst“, der sich zwischen Mitterteich, Marktredwitz und Waldsassen erstreckt, und zu dem auch der Gommelberg und auch das Gebiet des ehemaligen Basaltsteinbruchs Steinmühle gehören, das größte Basaltergussgebiet in Bayern. Naturräumlich-geologisch gehört der Reichsforst zum Fichtelgebirge. Gommelberg und Steinmühle bilden den östlichsten Ausläufer des Reichsforstes und damit auch des Fichtelgebirges. Ein Stück Oberfranken in der Oberpfalz, sozusagen.

Basalt wurde im Reichsforst über hunderte von Jahren bis in unsere Zeit abgebaut. Lesesteine aus Basalt finden sich in Natursteinmauern von Bauerhäusern. Industriell gebrochener Basalt wird als Schotter und in Asphalt auf Straßen und Wegen verwendet. Unter Hitzeeinwirkung „gesponnener Basalt“ in mineralischen „Steinwollplatten“ als Baustoff zur Dämmung von Gebäuden. Die großen Basaltsteinbrüche der Region waren der Steinbruch am Teichelberg in Pechbrunn und der Steinbruch Hirschentanz zwischen Pechbrunn und Konnersreuth. Aber auch in zahlreichen kleineren Brüchen wurde Basalt gewonnen, darunter seit Ende des 19. Jahrhunderts auch in Steinmühle und am Gommelberg. Die Geschichte des Abbaus findet sich im Kapitel „Das Basaltwerk: Ein Jahrhundert Basalt und Ton, Arbeit und Lohn“ an anderer Stelle der Ortschronik Pleußen.

Wie kommt es nun zur Säulenbildung im Basalt? Im Prinzip kann man sich den Prozess vorstellen, wie die Bildung von Rissen in einer austrocknenden Pfütze. Trocknet der Schlamm in einer Pfütze aus, bilden sich während des Trocknens wabenförmige Risse. Genauso solche Schrumpfungsrisse bilden sich in abkühlender Basaltlava (so der Begriff für Basaltmagma, das an die Erdoberfläche gelangt und erstarrt). Die Schrumpfungsrisse bilden sich jeweils senkrecht zur Abkühlungsfläche. Dabei entstehen Säulen, die meist sechseckig sind, es kommt aber auch vor, dass die Säulen fünf- oder siebeneckig sind. Letzteres ist meist der Fall, wenn die Säulen Durchmesser von über einem Meter haben.

Es wird weiter diskutiert, inwieweit der Durchmesser der entstehenden Säulen von der Geschwindigkeit abhängt, mit der die Basaltmagma erkaltet: Während früher galt: Je langsamer die Abkühlung, desto dicker die Säule, kommen neuere Studien zum Schluss, dass auch die Ausgangstemperatur der Lava einen Einfluss auf den Durchmesser der Säulen hat. Auch kann beobachtet werden, z.B. im Teichelberg, dass sich an der oberen und unteren Lavaoberflächen oft unregelmäßige und mächtigere Säulen entwickeln und dünnere, regelmäßigere Säulen im inneren der Lava entstehen. Dies ist auch am Gommelberg der Fall, wo der Basalt die Füllung eines ehemaligen, heute verschwundenen Vulkankegels bildete:

Wohin ist der Vulkankegel verschwunden, oder besser warum?

Auch, wenn die Oberpfälzer Vulkane von Weitem gesehen teils kegelförmig sind wie z.B. der Parkstein, stellen sie doch nur die Reste ehemaliger Schlackenkegel dar. „Schlackenkegel“ ist die Bezeichnung für typische Vulkanformen, die sich aus dem Auswurfmaterial bilden. Wie z.B. der Vesuv in Neapel. Was wir heute im so genannten Oberpfälzer Vulkanfeld sehen, sind, bildlich gesprochen, eigentlich die „Kellergeschosse“ von ehemals hunderte Meter höheren Vulkane oder „Wurzelfüllungen“ von Sprengtrichtern, die durch das Aufeinandertreffen von Magma und Wasser in mehreren aufeinander folgenden Explosionen in nicht vulkanisches Gestein gesprengt wurden. 

Verwendete/Weiterführende Literatur/Links

Gebhardt, A., Büttner G., Linhardt E.: „Neue Rohstoffpotenziale zwischen Mitterteich und Tirschenreuth, Sand, Kies, Ton und Kaolin in der Naab-Wondrebsenke (Bayerisches Landesamt für Umwelt Februar 2011)

Geologische Karte von Bayern 1:25.000, 6039 Mitterteich (Bayerisches Landesamt für Umwelt 2013)

Gümbel, Carl Wilhelm von: Geognostische Beschreibung des Königreichs Bayern, Zweite Abtheilung (Gotha. Verlag von Justus Perthes, 1886; Aufgerufen über Google Books: https://books.google.de/books?id=V70QAAAAIAAJ)

Hofbauer, Gottfried: „Vulkane in Deutschland“ (© Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2016)

Peterek, Andreas (Text): „Berge aus Feuer und Stein – Vulkanismus im Oberpfälzer Vulkanland als Teil des Egerrifts“ (Herausgeber: © Vulkanerlebnis Parkstein in Kooperation mit dem GEOPARK Bayern-Böhmen, Dezember 2024; 2. völlig neu überarbeitete und erweiterte Auflage der Broschüre „Berge aus Feuer und Stein – Vulkane der Oberpfalz“, herausgegeben durch GEOPARK Bayern-Böhmen e.V. 2009)

Peterek, Andreas: „Konnersreuth im Spiegel der Erdgeschichte“ (Kapitel 6, „Konnersreuther Chronik“ (Herausgeber: Markt Konnersreuth, 2017)

Peterek, Andreas, Schunk, Ralf: „Geologische Geschichte des Egerrifts“, (Sonderveröffentlichung Geopark Bayern-Böhmen 3/2010)

Zöller, Ludwig; Peterek, Andreas (Herausgeber): From Paleozoic to Quaternary – A field trip from Paleozoic to Quaternery“ (Geozon Science Media, S., DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-1770.

 

Verwendete/Weiterführende Links

Basalt: https://de.wikipedia.org/wiki/Basalt)

Säulenbildung im Basalt „Disclosing the temperature of columnar jointing in lavas“ https://www.nature.com/articles/s41467-018-03842-4

https://www.steine-und-minerale.de/gesteine/b/basalt.html