von Harald Fähnrich

Vorgeschichtlicher Fund in Pleußen

Den folgenden kleinen Aufsatz von Harald Fähnrich dürfen wir mit seiner Erlaubnis in unsere Chronik mit aufnehmen. Danke! Veröffentlicht wurde er in seinem Buch „Heimat Mitterteich – ein volkskundliches Lesebuch“ (1986) auf den Seiten 381-382.

Friedrich Wölfl

Eine riesige Zeitspanne ist die Vorgeschichte. An deren Ende entstehen die meisten aller heute bekannten Orte. Bei uns endet sie um das Jahr 1000, - mit der Urrkunde von 1008, die Kemnath erwähnt. Denn damit beginnt die eigentliche Geschichte, die sich durch zeitgenössisches, archivalisches Material rekonstruieren lässt. In der Vorgeschichte sind wir ausschließlich auf Bodenfunde angewiesen.

 

Pleußen

Es war um 1955. Beim Umstechen fand Vater auf unserem Hausgrundstück (Pleußen, Fockenfelder Str. 9) im Garten wohl in Spatentiefe ein formschönes, glattes Steinstück. Er hob es sorgfältig auf; seit seinem Tode (1961) habe ich es. Durch einen Zeitungsbericht kam ich 1981 auf die Idee, dass es ein Steinbeil sein könnte.

Soweit der Eigentümer, Johann Kraus aus Pleußen.

Es ist der älteste bekannte Steinzeitfund im Lkrs. TIR. Damals (1955) wurde er nicht zur Kennnis genommen, denn ein großer, düsterer Wald mit Sümpfen bedeckte unsere weg- du steglose Gegend in der Vorgeschichte. Vielleicht ein Jäger mit seiner Sippe betrat diese unwirtliche Wildnis. Dies behaupteten Vorgeschichtsforscher (Wissenschaftler), weil eben keine Funde bekannt waren. Und in unseren Schulen lehrte man das Generationen, widerspruchslos noch vor 10 Jahren. Ja, diese Voreingenommenheit ging soweit, dass in einem Fall „studierte Leut“ einen ähnlichen Fund sein vorgeschichtliches Alter absprachen. Und dieses Alter ist hoch: Dr. Uenze (Präshistorische Staatssammlung München), dem der Fund vorlag, schrieb am 22.1. 1982 an den Verfasser:

„Das Steinbeil von Pleußen gehört in das Jungneolithikum. So langsam glaube ich doch an eine lockere Besiedlung Ihrer Gegend in der Jungsteinzeit.“

Die Jungsteinzeit ist jene Zeitspanne vor 6 000 bis 4 000 Jahren. Unser Steinbeil entstand vor ca. 4 500 Jahren. Das spitznackige Steinbeil wird von Dr. Uenze weniger als Arbeitsgerät, vielmehr als Waffe bezeichnet.

Das Steinbeil von Pleußen ist aus schwarzgrünem, schiefrigem, hochgeglättetem Amphibolit und wiegt 182 g. Zur scharfen, gekrümmten Schneide hin erweitert es sich stark, hat also die Urform des Axtkopfes. DerFundortist die Kante eines Südhanges, der ins weite Tal der Lausnitz sanft abfällt (am südlichen Fuß des Gommelberges) und liegt etwa 550 m über dem Meer. Der lehmig-sandige Boden trocknet und erwärmt sich gut, - beides Voraussetzungen für eine frühe menschliche Ansiedlung.

In unserem Fall darf man keine Besiedlung annehmen, denn es fehlen die wichtigen keramischen Befunde: Tonscherben erst bestätigen das Vorhandensein einer Siedlung an Ort und Stelle, bzw. in der näheren Umgebung. (Damals wurden Tongefäße an Ort und Stelle hergestellt und verwendet, also auch zerbrochen.) Obwohl der nächste Steinbeilfund bei Groppenheim (2 km entfernt) zu Tage trat, lehnen Wissenschaftler Zusammenhänge ab. 8 km von Pleußen entfernt liegt der bisher einzige erwiesene vorgeschichtliche Siedlungsplatz im Landkreis Tirschenreuth, - die „Ruhstatt“.