"Lebenshilfe ist für mich ein Stück Leben geworden, auch deshalb bin ich noch ihre Vorsitzende", sagte Bayerns Landtagspräsidentin und Lebenshilfe-Landesvorsitzende Barbara Stamm, beim Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Lebenshilfe in der Mehrzweckhalle. Leidenschaftlich warb sie für die Rechte der Behinderten, auch sie haben ein Recht auf Leben in Würde. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Schulchor des Förderzentrums, Leitung Michaela Zaus.

Durch das gut zweistündige Programm führten die Schüler Jasmin Vizethum und Felix Fischer. Lebenshilfe-Kreisvorsitzender Karl Haberkorn sagte in seiner Begrüßung, er hätte nicht gedacht, dass zum Jubiläum so viele Ehrengäste kommen. Fast alle Bürgermeister des Landkreises und Mandatsträger der Region waren erschienen. Die Geistlichkeit wurde durch Pfarrerin Sonja Schobel und Prodekan Dr. Wolfgang Vogl vertreten. Haberkorn betonte, die vergangenen zwanzig Jahre standen im Zeichen des Aufbaues. Es wurde vieles erreicht. Neue Maßstäbe setzt die UN-Konvention für die Rechte der Behinderten, die seit Januar auch für Deutschland gilt. Diese fordert die Gesellschaft und natürlich besonders die Lebenshilfe, sich für die Menschen mit Behinderung einzusetzen.

Ein erster Höhepunkt die musikalische Einlage "Der Gockel auf dem Misthaufen", eindrucksvoll dargestellt von der Außenklasse des Förderzentrums und der 2b der Grundschule.

Gleich zu Beginn ihrer Festansprache gratulierte Landtagspräsidentin Barbara Stamm den Schülerinnen und Schülern für ihre Darbietungen. "Man merkt, mit wie viel Freude sie dabei sind und diese Freude ist ansteckend". Ihr Dank galt den Menschen, die sich in der Lebenshilfe toll einbringen und die Arbeit mit Leben erfüllen. "Wir dürfen dankbar auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurückblicken", sagte und erinnerte daran, dass die Lebenshilfe oftmals aus der eigenen Betroffenheit heraus entstanden ist.

Gerade die Menschen mit Behinderung haben es verdient, dass wir sie in unsere Solidarität aufnehmen. Die Eingliederung der Menschen mit Behinderung in unsere Gesellschaft muss oberstes Ziel sei, so wie es die UN-Resolution auch vorschreibt. Frau Stamm sagte, sie unterstütze die UN-Resolution vorbehaltlos, "noch nie wurden die Rechte einer Gruppe von Menschen zu zukunftsorientiert, passgenau und übersichtlich festgeschrieben". Diese Konvention bietet eine Chance für das soziale Zusammenleben und für die Politik die Gestaltung der Hilfe für Menschen mit Behinderung neu zu diskutieren.

Behindertenhilfe ist weit fortgeschritten, jetzt folgt eine weitere Etappe, die "Inklusion". Darunter versteht die Gesellschaft keine Teilung in Menschen mit und ohne Behinderung. Stamm räumte ein, "wir stehen hier erst am Anfang eines langen Prozesses, aber wir wollen weiter Konzepte entwickeln und noch mehr Wahlmöglichkeiten für eine individuelle Hilfe schaffen". Menschen mit Behinderung sollen gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Dabei dankte Stamm der Lebenshilfe, "dieser Elternverband tut weit mehr und wird auch künftig wichtig sein".

Gleichzeitig forderte sie die Gesellschaft und Politik auf, diese Eltern nicht im Stich  zulassen. In vielen Gesprächen erfahre sie oft von Bitterkeit der Eltern, weil sie finanziell einfach nicht entlastet werden. Ihre Forderung nach Eingliederungshilfe vom Bund galt vor allem der Politik. Aufgefordert seien aber auch die Lebenshilfen. Frau Stamm warf die Frage auf, warum nicht ein Förderzentrum auch für Schüler ohne Behinderung geöffnet werden könnte. Integration und Teilhabe hören nicht bei der schulischen Bildung auf. Dank zollte sie auch den Werkstätten der Lebenshilfe. Wörtlich meinte sie, "es rollt in Deutschland fast kein Auto vom Band, wo nicht Lebenshilfe-Werkstätten irgendwie mitgewirkt haben". "Auch unsere Schutzbefohlenen haben ein recht auf Arbeit", sagte sie und verwies auch hier auf schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

An die Lebenshilfen gerichtet sagte Frau Stamm, "wir dürfen uns nicht von Schwerstbehinderten verabschieden, wir würden uns an den Menschen und derer Familien versündigen". Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dankte sie mit einem Vergelts Gott, "wir stellen die Lebenshilfe unter den Schutz Gottes". Gleichzeitig dürfen diese Mitarbeiter viel Freude und Dankbarkeit erleben, dies entschädigt für vieles.

Landrat Wolfgang Lippert überbrachte die Glückwünsche aller politischen Mandatsträger. Er sagte, "es ist normal verschieden zu sein, jeder Mensch ist einzigartig, jeder verfügt über Stärken und Schwächen". Der Lebenshilfe bescheinigte er, eine nicht mehr wegzudenkende Einrichtung zu sein. Kinder und Jugendliche lernen, sich später in ihrer Welt zu Recht zu finden. Lippert zählte die Leistungen der Lebenshilfe auf, die vielen Menschen zur Hilfe werden. Menschen mit Handicap wird hier vorbildlich geholfen, dankte er allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Als Anerkennung überreichte er einen Scheck über 1.000 Euro aus dem Sparkassenfonds.